De RäuberBandbiografie


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Musikalische Entwicklung

Musik der Räuber kennt keine Grenzen und kein Verfalldatum

Vorbemerkung

Bei dem nachfolgenden Text handelt es sich um eine historische Skizze, die ganz bewusst nur in Einzelfällen am Werdegang festgemacht ist, sich stattdessen vielmehr an der musikalischen Entwicklung, der strukturellen Positionierung und der heutigen Rolle der Band orientiert. Kurzum: eine Erfolgsstory, die an Titeln festgemacht ist und im Grunde ein komplettes Bühnenprogramm in Textform atmosphärisch zusammenpackt.

Echt Kölsch!

„Echt Kölsch” – so der Titel ihres zweiten Albums, das Mitte der neunziger Jahre definitiv den Weg weisen sollte für die „Räuber“. Und dieser Weg führt(e) seither beständig nach oben. Unaufhaltsam! Mit heute teils weit über zweihundert Auftritten allein in der Session und weiteren sechzig, siebzig Terminen rund ums Jahr. „D´r Rhing erop un erav“, in Köln ebenso wie in Düsseldorf, in der Eifel ebenso wie im Bergischen Land, in Limburg ebenso wie in Ostbelgien. Ihre Musik macht nicht halt vor Grenzen und Generation, kennt mit Sicherheit kein Verfalldatum.

Spätestens 1998, als die „Räuber“ bei der Erstveröffentlichung des Samplers „Ostermanns Erben“ beim Label Pavement gleich mit fünf Titeln gleichberechtigt neben Bläck Fööss, Höhner und Paveier standen, folgte der musikalische Ritterschlag: Die Band um Karl-Heinz Brand (damals noch als Trio mit Kurt Feller und Norbert „Nobby“ Campmann) gehörte gerade mal sieben Jahre nach ihrer Gründung definitiv zur Hautevollée in Sachen Kölsche Tön, zum so genannten „Kleeblatt“. Einen Platz, den sie sich seither nicht mehr haben streitig machen lassen. Wie allein schon die stetig steigende Zahl an Engagements außerhalb der „Fünften Jahreszeit“ nachdrücklich unterstreicht.

„Denn wenn et Trömmelche jeit“

Im Grunde kein Wunder, wie gleichfalls ein Blick auf die damaligen und nachfolgenden Titel zeigt, die teils bereits seit Jahren im Kölschen Liedgut fest verankert wird. „Denn wenn et Trömmelche jeit“, „Musik, Bier un e Mädche“, „Schau mir in die Augen“ oder „Op dem Maat“ sind, obwohl teils noch recht jung an Jahren, längst unverwüstliche Evergreens. Kompositionen, mit denen Karl-Heinz Brand als Autor bereits zu seiner Zeit bei den „Flamingos“ sein natürliches Talent und seine ausgewiesene Spürnase als Songwriter bewiesen hatte.

„Kölsche Junge bütze joot“, „Am Eigelstein es Musik“, „Da wa ja ma Ha da“, „Die Naach es noch su lang“, „Ich dun et nit mih“ oder „Kucken darf´s de immer“ werden längst das Rheinland rauf und runter gesungen. Und mit „Kölsches Bloot“, der bis heute sicherlich eindringlichsten und tiefschürfendsten der über hundert Kompositionen, schufen die „Räuber“ schon früh eine echte Hymne, die vom ersten Takt an ins Kölner Blut ging und geht.

„Fiesta Colonia“ grenzenlos

Nicht weniger überzeugend waren und sind die zwischenzeitlichen Ausflüge ins hochdeutsche Genre. Mit Hits wie „Die Rose“, „Kleine Mädchen müssen früher schlafen gehn“, „Ich habe was, was du nicht hast“ oder „Und sie war nicht viel älter als achtzehn Jahr“ – an die der aktuelle Titel „Eine Nacht (ist mir zu wenig)“ nahtlos anschließt – setzt[e] die inzwischen zum Quintett mutierte Band ebenfalls überregional ein dickes Ausrufezeichen.

Wovon nicht zuletzt die zahllosen Sampler (von Kneipenhits „us Kölle“ bis zum Fetenkult uaf Mallorca) zeugen, auf denen die Songs der „Räuber“ seit Jahren einen exponierten Platz einnehmen. Ganz gleich ob Fiesta Colonia, Ballermann Party oder kölsche Hits auf „Viva Express“… – die „Räuber“ sind längst Kult. Und das weit über ihre engere Heimat hinaus, wie ein Blick in die bestens gefüllte Agenda offenbart.

Spagat mit Bestnoten bestanden

Es ist vor allem dieser immer wieder bewusst gesuchte und letztlich mit Bestnoten bestandene Spagat zwischen Kölsch und Hochdeutsch, der die Stärke der „Räuber“ ausmacht. Ein Spagat zwischen Milieu und Schlager, zwischen Krätzchen und Klamauk, zwischen Karneval und Summerparty. Sie treffen hier wie dort den Nerv, manchmal etwas lauter und schriller, nach Bedarf aber durchaus auch einfühlsamer und hintergründiger oder gar leise und nachdenklich.

Erkennbar, ja erwiesen ist vor allem eines: Musik und Text, durchweg aus der Feder von Karl-Heinz Brand, sprechen stets unmittelbar an! Die Polkas gehen in die Beine, die Balladen ins Herz. Oder treffender: Ins Kölsche Hätz. Und das generationenübergreifend! Bei Titeln wie „Ding Auge“ oder „Weil du hück bei mir bes“ schwofen junge Hüpfer genauso innig wie ältere Semester. „Titicacasee“ ist vielerorts zum beliebten Fitnesscheck avanciert. Mit „Laach doch ens“ machen die „Räuber“ allen Psychotherapeuten erfolgreich Konkurrenz. Und „Hück oder nie Marie“ gilt längst auch weit außerhalb Kölns als ultimative Anmache.

Niemals aufgesetzte Melancholie

Ein Ende ist übrigens nicht in Sicht… Zumindest wenn der Titel „Sulang die Botz noch hält“ für die Lebensphilosophie der Band steht. Denn eines ist Fakt: „Su lang e Dröppche vum Kölsche Bloot noch e Kinderhätzje kloppe löss, weed et wigger jonn…“ Oder wie heißt es so treffend im aktuellen Titel „Colonia“: „Wat och passeet, ejal wat och noch kumme kann, unser Hätz dat schläät am Rhing.“ Eine weitere punktgenaue Hommage der „Räuber“ an ihre Heimatstadt und ihre Mitbürger.

Wieder ist dieser Hauch Melancholie spürbar, wirkt aber dank des feinen Instinkts, den Komponist und Leadsänger Karl-Heinz Brand über lange Jahre für stimmige, eingängige Melodien und für punktgenaue Texte mit Pfiff entwickelt hat, niemals aufgesetzt oder gar gekünstelt, sondern steigt tief von innen auf. Eine ansteckende Ehrlichkeit, eine gelebte Authentizität, auf die ebenso die übrigen Bandmitglieder Kurt Feller, Wolfgang Bachem, Matthias „Mac“ Kalenberg und Gino Trovatello seit langem eingeschworen sind. Kurzum: Wenn sie singen „Luur ens in mie Hätz“, dann wirkt jedes Wort „äch un unverfälsch“. Denn: „Dann weiß du wat ich föhle, dann weiß du wat ich dräume…“ Eine musikalische wie menschliche Glaubwürdigkeit, die als einer der entscheidenden Gründe für den anhaltenden Erfolg der „Räuber“ gilt – bei Fans wie Fachleuten, bei Presse wie Publikum, bei Kritikern wie Kollegen.

Ihr Zuhause ist die Bühne

„He am Rhing“ stehen ganz einfach fünf Jungs zum Anfassen, die „met ner Quetsch, ner Trumm un nem Mädche an d´r Hand“ seit langen Jahren „d´r Himmel op d´r Äd“ gefunden haben. Und das nicht nur, wenn die „Kleine Trumm“ anschlägt, sondern das ganze Jahr über. Frei nach dem Motto „M´r nemme doch nix mit“ ist ihr Zuhause die Bühne. Hier leben sie ihre vokalen und instrumentalen Emotionen voll aus, „äch un unverfälsch“. Ganz gleich ob beim halbstündigen Auftritt in der Session (wo auch bei der Hetze durch die Säle ihre ansteckende Lockerheit nicht auf der Strecke bleibt) oder beim zweieinhalbstündigen Open Air auf dem Neusser Münsterplatz (wo sie in der Zwischenzeit bis zu zehntausend Besucher in ihren Bann schlagen). Mit der Folge, dass die „Räuber“ selbst ihren Titel „Alles für die Katz“ in der Zwischenzeit ad absurdum geführt haben. Im Gegenteil!

Und so wirkt auch der letzte Wunsch bei jedem Konzert wie ein bescheidenes Statement „in eigener Sache“. Zu Recht! „Wenn ihr och nit bei uns sidd, e Stöck von üch dat nemme m´r mit“ heißt es in dem ungemein packenden Titel „Maat et joot“, mit dem die „Räuber“ bereits auf ein baldiges Wiedersehen einstimmen. Und wenn die Band dann noch „Wat weed sin…“ nachschiebt, die Kölsche Version des italienischen Welthits „Che sarà sarà“, wird es spürbar ruhiger, ist die Zeit gekommen für einen Blick nach innen. Jedoch stets in dem Wissen, „wat och passeet, ejal wat och noch kumme kann… unser Hätz,dat schläät am Rhing“. Irgendwie Balsam für „et Hätz“.

(Von NORBERT MEYERS, Juni 2008)


Noch mehr Informationen zur Band gibt es hier: Mit Mundart die Herzen erobert