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Mit den Räubern ins Studio

Mit den Räubern ins Studio



BENSBERG. Räuber-Frontmann Karl-Heinz „Charly“ Brand sitzt mit Gitarrist Gino Trovatello und Produzent Matthias Stingl im Garten und isst zu Mittag, als die BLZ-Leser im Hof des Bensberger Musiklabels Pavement Records eintreffen. „Wir haben hier die einzige Freiluftkantine der Musikbranche“, sagt Detlef Vorholt schmunzelnd. Der Paveier-Musiker und Geschäftsführer der Musikschmiede an der Buddestraße führt die Gewinner der Aktion „Die BLZ öffnet Türen“ in das auf den ersten Blick unscheinbare ehemalige Einfamilienhaus, in dem heute Künstler von Bernd Stelter über Paveier und Bläck Fööss bis hin zu den Wise Guys regelmäßig ein- und ausgehen.

„Die Treppe ist aber noch alt“, stellt BLZ-Leserin Trudi Dannenberg aus Refrath fest. Die 81-Jährige kennt das Haus noch aus der Zeit, als ihre Tante und ihr Onkel darin wohnten. Schnell kommt sie darüber mit Tochter Jutta Duch und BLZ-Leser Peter Schmitz ins Gespräch, denn der Lindlarer ist in Bensberg aufgewachsen. „Hier war damals der Heizungskeller“, sagt Trudi Dannenberg in einem Raum, in dem heute die Bänder zahlreicher Künstler lagern, die bei Pavement Records unter Vertrag sind. „Die letzten Verträge werden immer hier oben gemacht“, erklärt Detlef Vorholt und führt die Gruppe hinauf in sein Büro unter dem Dach. „Hier künnt ihr uch bess noh Kölle sinn.“ Auf der Dachterrasse erzählt Vorholt davon, wie er Pavement Records Ende der 80er Jahre mit seinen Paveier-Bandkollegen gegründet hat. „Wir hatten kein Geld, aber eine gute Idee.“

In Keller und Küche fing alles an

Aufgenommen wurde damals noch in einem kleinen Kellerstudio in Dellbrück, die ersten Singles in einer kleinen Garagenfirma in Schwerte gepresst, am Küchentisch die Aufgaben unter den Bandkollegen verteilt: „Unser Bassist Bodo wurde Vertriebsleiter, Micky machte das Marketing, Klaus hatte studiert und war für die Verträge zuständig“, erinnert sich Vorholt, der seit 2003 nur noch mit Paveier-Gitarrist Klaus Lückerath im Label-Geschäft ist. Seit Mitte der 90er Jahre hat Pavement Records seinen Sitz in Bensberg. „Das Haus hier ist komplett umgebaut und da unten ein Studio angebaut worden“, sagt Vorholt und deutet auf das Flachdach tief unterhalb der Dachterrasse.

Die „Räuber“ sind nach der Mittagspause wieder im Studio verschwunden. Marion Worm aus Overath kanns kaum erwarten, bei der neuen CD-Produktion einmal Mäuschen zu spielen. „Ich war neulich beim Konzert im Millowitsch-Theater, wo sie schon einige neue Stücke vorgestellt haben“, sagt sie strahlend.

Nach einem Abstecher ins Büro von Label-Manager Christoph Gros führt Detlef Vorholt die Leser in den Regieraum des Studios. Tanja Worm staunt: Nur einzelne Töne sind von Räuber-Gitarrist Gino Trovatello jenseits der Glasscheibe zu hören. „Der is noch am Stimmen“, klärt Räuber-Frontmann Karl-Heinz „Charly“ Brand die Leser auf. „Jedes Instrument wird einzeln nacheinander aufgenommen – und erst ganz zum Schluss sing ich dann dazu.“

Produzent Matthias Stingl „fährt“ am Mischpult schon mal die Instrumente ab, die schon eingespielt sind. „Rattepack heißt das Lied“, erläutert „Charly“ Brand und geht mit den BLZ-Lesern ins Studio hinüber. „Dat schöne is, wir sitzen hier im Sommer manchmal bei 40 Grad draußen und haben dann Weihnachtslieder einzuspielen“, sagt er grinsend. „Neulich hatt ich vun minger Tant en Kiss Weihnachtsplätzchen dabei – wie soll ich sons in Weihnachtsstimmung kumme!?“

Die Räuber seien zwar mit ihren Aufnahmen früh dran, erklärt Pavement-Geschäftsführer Vorholt, aber auch sonst hätten Karnevalsmusiker im Sommer selten Langeweile: „Schließlich müssen alle CDs, die am 11.11. im Laden stehen sollen, bis Mitte Oktober fertig sein.“

Hannelore Dahl und ihre Schwester Ursula Ackermann aus Overath lauschen ebenso gespannt wie Ursula Fahsbender aus Bensberg, Ursula Visosevic und Josefine Sonntag aus Lindlar, sie alle sind eingefleischte Karnevalsfans. „Vor allem auch von den Paveiern und den Räubern“, sagt Ursula Ackermann, „toll, hier mal sehen zu können, was für eine Arbeit hinter so einer CD steckt.“

Quelle: Kölnische Rundschau, Guido Wagner (28.05.2009)

Mehr Fotos zum Artikel gibt es unter: www.runschau-online.de/bilder

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