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Auch Klüngeln will gelernt sein

Auch Klüngeln will gelernt sein

Pointierte Revue mit „Saitensprüngen“ und Wiener Schmäh

„Hück noch he, morje do“ – passender als mit der textlichen Adaptation des Titels von Hannes Wader hätte der Einstieg ins zweistündige Programm im Millowitsch-Theater kaum sein können. Schließlich sind die „Räuber“ in der Zwischenzeit eher die großen Bühne gewohnt, packen jedoch alle Jahre wieder gerne ihre Instrumente im plüschigen „Wohnzimmer“ an der Aachener Straße aus.

Zu Recht, denn hier haben die fünf Musiker Zeit und Muße, auch mal leisere Töne anzuschlagen und das Element „Wort“ stärker in den Vordergrund zu stellen. Und das Publikum wiederum hat Zeit und Muße zum Zuhören und zum Schmunzeln. Zumindest während der ersten neunzig Minuten, denn anschließend geht dann schon wie gewohnt die Post ab – mit allen „Räuber“-Hits der letzten Jahre, gemäß der Devise „Sulang die Botz noch hält“.

Dennoch: Bei der Klüngel-Kölsch-Revue geben vielfach die leisen Töne den Ton an, sei es bei der Auswahl der Lieder, wo die Band ganz bewusst schon mal Titel hervorkramt, die bei Konzerten im Jahreskreis etwas stiefmütterlich behandelt werden. Und wenn dann noch die ebenso charmante wie routinierte Violinistin Anke Pollinger von der Jungen Philharmonie Düsseldorf den Bogen einfühlsam auf ihre Geige setzt und etwa dem jüngsten Erfolgstitel „Colonia“ ein völlig neues Intro verpasst, stimmt ganz einfach das Ambiente. „Saitensprünge“, die punktuell weiteren Titeln des Abends ihr ganz eigenes Gepräge gaben (so besonders „Kölsches Bloot“) und zum Schluss sogar aus dem „Trömmelche“ neue, unbekannte Facetten heraus filterte.

Platz ist im Millowitsch-Theater aber auch immer wieder für Krätzchen und Couplets, bei denen die „Räuber“ ihr nicht unerhebliches schauspielerisches Talent demonstrieren können. Da setzt das Quintett durchaus auch schon mal allein auf Stimme, legt die Instrumente aus der Hand und entpuppt sich als intonationssicheres a-capella-Ensemble. Zwar reicht es sicherlich nicht ganz, um die „Wise Guys“ von der Bühne zu singen, doch erbauend sind die gelegentlichen Ausflüge ins rein vokale Genre allemal.

Gleichermaßen spaßig wie spannend war etwa die Liebeserklärung „Oh, du heiß geliebte…“, nur mit E-Piano unterlegt und mit einem Flötenquintett angereichert, das Ilse Werner zur Ehre gereicht hätte. Richtig schaurig ging´s dagegen zu in „Zahnping“, einer überaus schmerzvollen Adaptation des Chartbreakers „Lady in Black“ von Uriah Heep. Leicht frivol ging´s dagegen zu im Couplet „Su e Jeseech“ mit Nachhilfe in Anatomie, doch wird auch solchen Geschichten dank der wohl klingenden Verpackung stets die Schärfe genommen. Urwüchsig ja, aber wohl dosiert und von daher niemals flach. Nicht selten gespickt mit schrulligen, dafür aber nicht minder verbürgten Lebensweisheiten, wie etwa die, die Karl-Heinz Brand als Überlieferung seines Opas auftischte: „Man kann nicht alles glauben, was man hört, aber man kann es weiter erzählen.“

Klar dürfen bei solch einer Revue schwarzer Bibi und rote Nase nicht fehlen, aber nicht unwichtiger ist der Band der Inhalt, der transportiert wird, selbst wenn das geschilderte Geschehen als Parodie oder Persiflage verpackt ist. Wie etwa bei der Schrammelmusik „Der Kuss“. Da darf dann sogar Wolfgang Bachem vom Schlagzeug in die erste Reihe wechseln, als Kammersänger oder vielleicht treffender: als Hans-Moser-Verschnitt mit hohem komödiantischen Einsatz und Wiener Schmäh. Nicht weniger stilsicher gelang die letztlich leider erfolglose Bewerbung von Nepomuk Paschulke mit seiner Schmonzette bei „DSDS“. Hier lief Mathias „Mac“ Kalenberg ebenso zu großer Form auf wie als Heinz-Erhardt-Imitator, der Gedichte und Kalauer ohne Ende „abrief“ und in Mimik wie Gestik dem großen Entertainer kaum nachstand.

Und dann bietet die Klüngel-Kölsch-Revue stets auch Gelegenheit, ein, zwei neue Kompositionen einem ersten ernsthaften Gütetest zu unterziehen. So diesmal u.a. der Walzer „Engel triffst du nur im Himmel“, zwar ein hochdeutscher Titel, aber mit streng kölschem Inhalt. Auch hier wieder ein sauber timbriertes Intro auf der Geige, ehe Gino Trovatello an der Akustikgitarre und Kurt Feller an der Quetsch (u.a. mit einer pointierten finalen Fermate) dem Titel sein eingängiges klangliches wie rhythmisches Gepräge geben. „Engel“ bringt, soviel liegt nach nur einmaligem Hören auf der Hand, jedenfalls alle Qualitäten mit, um – neben Titeln wie „Kleine Mädchen“, „Ding Auge“ oder „Die Naach is noch su lang“ – schon bald das Gütesiegel „Geeignet zum Schwofen“ zu erhalten. Deshalb hier zum Lernen schon mal der Refrain: „Engel triffst du nur im Himmel un janz selten he am Rhing. Denn in jedem echte Kölsche steckt ne kleine Räuber drin.“ Mit der Quintessenz: „Jo, da weed och he su blieve, anders könne mir nit sin.“ Quasi so als hätten die „Räuber“ sich und ihrem Publikum den Spiegel vorgehalten. Mit dem ihnen eigenen Augenzwinkern! Klüngeln will eben gelernt sein…

(Von NORBERT MEYERS, Mai 2008)

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